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Auszug aus dem Buch EL SALITRE, Resumen Histórico desde su Descubrimiento y Explotación.

Der Salpeter
Zusammenfassung der Geschichte des Salpeters von seiner Entdeckung bis zur Förderung und Aufarbeitung

Roberto Hernández C., Valparaíso, Fisher Hnos., 1930

Die reichen Waldbestände der Tamarugal Pampa haben mit ihrem Feuerholz entscheidend zum Entstehen der chilenischen Salpeterindustrie beigetragen und begünstigten - auf eigene Kosten - deren flächendeckende und rasante Entwicklung.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts sollen als Alchimisten verfolgte Nitratarbeiter in die Wälder der nordchilenischen Stadt La Tirana gezogen sein, um hier in aller Heimlichkeit den Caliche, den Rohstoff des Salpeters, in großen Wannen auszuwaschen und somit der Erde das kostbare ‚Weiße Gold' zu entziehen. Mit ihrer Arbeit trugen sie aktiv zum Erfolg des Befreiungskampfes gegen die spanische Krone bei, die bis zu diesem Zeitpunkt das Salpetermonopol innehielt, den Stoff in seinen Fabriken verarbeitete und im Alleinverkauf vertrieb.

Ein Name, der in der Geschichte des Salpeters eine wichtige Rolle spielt, ist der des Einheimischen Mariano Olleros, der sich, so die Überlieferung, mit besonderem Ehrgeiz für die Entwicklung und den Fortschritt der Salpeterindustrie einsetzte.

Er und zahlreiche andere fanden an vereinzelten Stellen Gesteinsmaterial, das nicht nur mit Salpeter beschichtet, sondern auch von Salpeteradern durchzogen war.

Der peruanische Gelehrte Mariano Eduardo Rivero erinnert sich:

    "Im Jahre 1821 hatte ich die Ehre, die Neuigkeit vom ‚Weißen Gold' in Europa zu verbreiten. Dankenswerterweise hatte mir Pedro Fuente aus Tarapacá, der sich in der chilenischen Provinz von Concepción mit der Läuterung des Salpeters beschäftigt hatte, in Madrid eine kleine Probe seines Produktes überreicht. Der erfahrene Gesteinskundler Haly, dem ebenso eine kleine Menge des besagten Stoffes überlassen wurde, bestimmte die Kristallisation des Salzes. Ich verbreitete mein Wissen darüber, dass dieser Stoff in rauen Massen oberflächig vorhanden und dementsprechend leicht förderbar sei und dass der europäische Markt enorme Vorteile aus dieser Industrie ziehen könnte. Doch trotz meiner Werbung blieb der Erfolg bei den ersten Exportladungen von 1827 und 1830, die nach England und in die USA gingen, aus mangelnder Kenntnis über den Gebrauch des Stoffes aus. Erst 1831 begann man vor allem in Frankreich den eigentlichen Wert des Nitrates zu erkennen und verkaufte den Zentner für 30 Francs. So entwickelte sich allmählich der Salpeterhandel zwischen Chile und Europa, der in den letzten 15 Jahren ein Volumen von 3.260.475 (sp.) Zentnern erreichte."
    Die Autoren Semper und Michels unterschätzen die Bedeutung der wissenschaftlichen Entwicklung einer Aufbereitungsmethode zur Produktion des Salpeters keineswegs, beschränken sich in ihrer Monographie jedoch auf folgende Notiz:
    "Thadeus Hänke, ein in Bolivien lebender Deutscher, legte im Jahre 1809 in Tarapacá mit seiner Erfindung eines Verfahrens zur Auswaschung von Salpeter aus dem Rohstoff Caliche den ersten Grundstein für die Salpeterindustrie."
    Thadeus Hänke erreichte mit der berühmten Malaspina-Expedition, die von Karl III von Spanien in Auftrag gegeben worden war, den südamerikanischen Kontinent. Außer Thadeus Hänke nahmen Hydrographen, Naturforscher, Astronomen, Gesteinskundler und Zeichner an dieser Forschungsreise teil. Seine Liebe zur Natur war größer als die Sehnsucht nach der Heimat, dem kulturellen Zentrum Europa, und so ließ er sich in der Nähe von Cochabamba (Boilivien) nieder, um dort auf seiner Hacienda „Santa Cruz de Elicona", deren Kultivierung hauptsächlich wissenschaftlichen Zwecken diente, ein neues Leben zu beginnen. Hier starb er am 17. Dezember 1817.
    Dank seiner Erkenntnisse konnte Salpeter in größeren Mengen produziert werden, so dass 1809 die erste offiziell dokumentierte Fracht gen Spanien auslief.
Von 1810 bis 1812 gründete man in den Salpeterarealen Negreiros, Pampa Negra und Zapiga in der Region Tarapacá sieben oder acht Salpeterwerke. Diese wurden auf Grund ihrer noch noch primitiven Förderungs- und Auswaschungsmethoden „Paradas", Haltepunkte, genannt, da die Nitratarbeiter hier ihre großen Wannen aufstellten, um das Salz auszuwaschen.
    Das Gebiet Negreiros verdankt seinen Namen dem gleichnamigen Portugiesen, der als einer der ersten auf diesem Areal Salpeter produzierte. Dieser Name hat sich bis heute als Ortsname erhalten. Weniger bekannt hingegen ist der Chilene Julian Fierros, der die gesamte Salpeterproduktion im Gebiet von Negreiros verwaltete und leitete. In der Zeit zwischen Oktober 1812 und Februar 1813 wurden hier 23.160 (sp.) Zentner 31 Pfund Salpeter produziert, was ungefähr einem Jahreskontingent von 70.000 (sp.) Zentnern entspricht.
    Zwischen März 1812 und dem 26. Januar 1813 wurden, wie aus der folgenden Tabelle von Sebastián de Ugarrisa hervorgeht, sieben Ladungen Salpeter von Tarapacá nach Callao (Peru) geschickt:
 


 
1812 Schiff (Sp.) Zentner
März  Dreimastbark "Trial" 3.270          
Mai  Brigantine "Santa Bárbara" 3.891,47    
August  Dreimastbark "Trial" 3.498,55    
September  Dreimastbark "Especulación" 4.545          
November  Brigantine "Pilar" 1.000          
Dezember  Brigantine "Candelaria" 3.400,22    
1813 Schiff (sp.) Zentner
Januar  Dreimastbark "Neptuno" 3.118,25    
TOTAL (in sp. Zentner) 22.723,49    
(Vgl.: 1 sp. Zentner = 46 kg = 4 Arroben = 100 Pfund)


 

Folgende Arbeiter, einige davon indianischer Abstammung, erinnern sich an Geschichten aus dieser Zeit: Esteban Vernal, Benito Calla, Manuel Hidalgo, José Jacinto Plaza, Manuel Arias, Vicente Granadino, Bacilio Carpio und Atanacio Tinaxas. Auch der Name einer Frau tritt hierbei auf: Doña Anda Vilca.

Überzeugt von der Wichtigkeit dieses neuen Wirtschaftszweiges veröffentlicht die Regierung in der 39. Ausgabe der chilenischen Zeitung "La Aurora" von Camilo Henriquez, die am 5. November 1812 erschien, folgende Notiz:

 

 

"Santiago, den 29 Oktober 1812
Obwohl die Erfahrung zeigt, dass die Förderung von Salpeter in fast ganz Chile einem Kinderspiel gleicht, das für die geschwächten und oft unfreiwillig tatenlosen Hände unserer Arbeiter einen sicheren Wirtschaftszweig darstellt, sind dem Erfolg erneut Steine in den Weg gelegt worden - Steine, die schon in der Vergangenheit immer wieder den Fortschritt unserer Arbeit blockiert haben und uns dazu zwingen, ausländische Materialien zu kaufen, die in ihrer Notwendigkeit eigentlich Produkt gegenseitiger Handelsbeziehungen und langzeitigen Kontaktes sein müssten. Eben deshalb fordert die um das Wohl der Allgemeinheit besorgte Regierung, dass jegliche Art der Störung der Salpeterproduktion vermieden wird, dass man die Arbeiter entsprechend der Qualität des geförderten Materials bezahlt und die Arbeit in der Schießpulverfabrik mit vierundzwanzig Peseten pro (sp.) Zentner entlöhnt (sozial niedriggestellteren Arbeitern oder Teilzeitangestellten entsprechend weniger). Die Regierung wird alles nur Erdenkliche tun, um zur Durchsetzung dieser Maßnahmen beizutragen. Weitere Anweisungen diesbezüglich werden über die Presse verbreitet.
Druckauftrag für die kommende Woche.
        Prado.       Portales.       Vial, Staatssekretär"

 


Auszug aus dem Buch: En venta en nuestra Librería Especializada  

KURZE GESCHICHTE DES SALPETERS

OSCAR BERMUDEZ M. Ediciones Pampa Desnuda, 1987.

Auf das Abtragen und Zerkleinern des Rohstoffes folgte der Prozess der Auslaugung der Salze aus dem Gesteinsmaterial. Dazu verwendete man große Kupferwannen, in denen durch einen kleinen Ofen oder ein einfaches Feuer unterhalb der Pfanne das Wasser und die Gesteinsmasse erhitzt wurden. Durch den allmählichen Temperaturanstieg kam es zur Ausfällung von Natriumchlorid und gleichzeitig zur Saturierung des Wassers mit Natriumnitrat - eine Trennung der unterschiedlichen Substanzen also. Nach der Auslaugung wurde die saturierte Flüssigkeit, die auch „aguas madres" (Mutterflüssigkeit) genannt wurde, in einem anderen Becken aufgefangen, wo sie erneut geläutert und dann kristallisiert wurde. Kristallisierte Salpetersäure hat die Form eines perlweißen Korns mit unverkennbarem Geruch, das Feuchtigkeit speichert und somit unter freiem Himmel getrocknet werden muss.

Diese erste Produktionsmethode, oben mit dem Begriff „Paradas" (Haltepunkte) bezeichnet, wurde bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts genutzt und wiederholt im Detail verändert. Die hier verwendeten Kupferpfannen stammten von den spanischen Goldschürfern und ohne Zweifel waren es auch die Spanier, die als erste den Salpeter in Tarapacá förderten und aufbereiteten. Unmittelbar danach kamen die Indios, die an unterschiedlichen Orten der Tamarugal Pampa nach gleichem Prinzip in kleinen Metallbecken Salpeter auswuschen.

Ab Mitte der 30-er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde Salpeter vor allem in Frankreich und in den USA, aber auch in Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern verkauft. Der Beginn des Handels mit der ‚Alten Welt' gehört zu den Marksteinen der chilenischen Salpeterindustrie. In den 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts erhielt die Salpeterindustrie einen neuen Aufschwung. Die Provinz Tarapacá erfreute sich eines großen Arbeitskontingents und hoher Kapitalumsätze, was sich vor allem in der großen Anzahl vornehmlich ausländischer Verkäufer widerspiegelt. Außerdem entwickelte der Chilene Pedro Gamboni zur gleichen Zeit (1853) ein neues Verfahren, in dem das Salz mit Wasserdampf aus dem Caliche gewaschen wurde. So entstanden die ersten Salpeterwerke, die mit Dampfmaschinen ausgestattet waren und deren Produktionskraft weitaus größer war als die der „Paradas".

Jod fand bis 1866 nur wenig Beachtung. Dem im Vorigen erwähnten Unternehmer und Forscher gelang es jedoch nach ausgiebigen Experimenten einen Prozess zur Ausfällung von Jod aus den „aguas madres", der saturierten Nitratlösung, zu entwickeln. Pedro Gamboni ließ seine Erfindung patentieren und erhielt somit sämtliche Rechte für die Jodproduktion.

Im gleichen Jahr fand außerhalb des peruanischen Territoriums ein weiteres, für die Entwicklung der chilenischen Salpeterindustrie entscheidendes Ereignis statt: Mit Erfolg beantragte der chilenische Forscher José Santos Ossa vor der bolivianischen Regierung die Rechte zur Förderung des Salpeters auf bolivianischem Gebiet.

So begann im Oktober 1879 im Salpeterwerk Salar de Carmen, dem ersten Werk außerhalb des peruanischen Territoriums, südlich des Flusses Loa, die Produktion des ‚Weißen Goldes'.

Die erste Eisenbahntrasse, die den Hafen von Iquique mit der Region La Noria verband, wurde 1871 eingeweiht. Die Eisenbahn läutet eine neue Ära in der Geschichte der Salpeterproduktion ein und ersetzt allmählich die ehemaligen Transportformen. Grund für den Ausbruch des Krieges zwischen Chile und Bolivien war die Missachtung des seit 1874 bestehenden Vertrages "Tratado de Límites" durch Bolivien. Die hohen Steuern, die die bolivianische Regierung entgegen der Bestimmungen des genannten Vertrages von der Salpetergesellschaft Compañía de Salitres und von der Eisenbahngesellschaft Ferrocarril de Antofagasta forderte, schürten den Konflikt. Als die Salpetergesellschaft die Steuerzahlung verweigert, beschlagnahmt die bolivianische Regierung ihr eigenes Territorium, versteigert es und macht daraufhin ihren Eigentumsanspruch auf die von der Salpetergesellschaft unterhaltenen Werkanlage geltend. Umgehend erfolgte die chilenische Reaktion: Am 14. Februar 1879 belagern chilenische Truppen den Hafen von Antofagasta.

Schon im April des gleichen Jahres war die Kriegserklärung zwischen Chile und Bolivien und Chile und Peru ausgesprochen. Die Einmischung Perus resultierte aus einem Bündnisvertrag, dem "Tratado de Alianza", den Peru 1873 mit dem benachbarten Andenstaat Bolivien geschlossen hatte. Die chilenischen Truppen drangen immer tiefer in das feindliche Gebiet ein und erreichten im Januar 1881 die peruanische Hauptstadt. Mit der Eroberung Limas erlosch auf peruanisch-bolivianischer Seite der letzte Funke Hoffnung auf Erfolg.

Vor dem Ausbruch des Pazifikkriegs betrugen die Anteile Perus an der Salpeterindustrie etwa 50%. Chile nahm diesbezüglich den zweiten Platz ein, gefolgt von England, Deutschland, einigen wenigen Italienern, Spaniern, Bolivianern und Franzosen. Um 1890 flossen ca. 60% des Umsatzes indirekt oder direkt in die Taschen der in London ansässigen Aktiengesellschaften. In den darauffolgenden Jahren verzeichnete man jedoch einen Zuwachs an chilenischen und deutschen Investitionen und so verlor England allmählich seine Vormachtstellung. Schon in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts war der chilenische Anteil an der Salpeterindustrie dem englischen gleichwertig. 1912 lagen die chilenischen Investitionen in die Salpeterindustrie, d.h. in die Produktion der Regionen Tarapacá und Antofagasta, bei 40%, während die restlichen 60% in ausländischem Besitz standen.

Eine systematische Vermarktung des ‚Weißen Goldes' fand trotzt der Gründung eines ständigen Komitees im Jahre 1886, dem Comité Salitrero Permanente, in der ersten Zeit der Salpeterproduktion nicht statt. Erst durch die 1848 gegründete Asociación Salitrera de Propaganda, die 1919 in die Asociación de Produtores de Salitre de Chile umgetauft wurde, kam es zu einer gezielten Werbekampagne für den Salpeter als Düngemittel in der Landwirtschaft.

Um 1870 gelang es dem englischen Ingenieur Santiago Humberstone nach ausgiebigen Untersuchungen ein neues Aufbereitungsverfahren zu entwickeln, das auf der Idee Pedro Gambonis aufbaute, den Wasserdampf jedoch indirekt, d.h. über Röhren, die serpentinenartig im Beckenboden verliefen, anwandte. Ebenso wurden größere „Cachuchos", wie die Wannen zur Auslaugung der Salpetersalze genannt wurden, verwendet. Diese Wannen waren nach dem Vorbild der in England zur Produktion von Natriumkarbonat (Soda) nach dem Verfahren Shanks genutzten Auslaugungsbecken konstruiert.

Die Region von Tarapacá, in der auch schon vor dem Krieg auf zahlreichen Arealen Salpeter gefördert wurde, war weiterhin Hauptstandort der Salpeterproduktion. In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erweiterte sich auf Grund der steigenden Nachfrage die Produktion auf die Gebiete El Toco, Antofagasta, Aguas Blancas und Taltal. Von 1910 an entwickeln sich die südlichen Abbaugebiete zum eisernen Konkurrenten der nördlichen Salpeterwerke, was sich auch in der steigenden Bedeutung des Hafens von Antofagasta äußert, dessen Exportvolumen schon 1912 das seines nördlichen Gegenspielers Iquique übersteigt.

Die Salpeterindustrie beschäftigte in dieser Zeit mehr als 45.000 Arbeiter von denen ungefähr die Hälfte in den Salpeterwerken der Region Tarapacá untergebracht waren. Im Vergleich dazu arbeiteten laut einer Umfrage von 1907 damals nur 36.700 Arbeiter in den Salpeterwerken der beiden Provinzen.



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